Bücherlesen in Krisenzeiten

Bücherlesen in Krisenzeiten

Vor einigen Jahren ging es mir gesundheitlich sehr schlecht. Schmerzen aus der Hölle suchten meinen Nacken heim, ich wusste nicht ein und aus, und nichts half – von Orthopäden, Allgemeinmedizinerin, physikalische Therapie zur Osteopatin. Die Schmerzen hatte ich buchstäblich dauerhaft am Hals. Ich und die Medizin wussten nicht weiter.

Dann ging es eines Tages bei Twitter ums Lesen und was wir in schlechten Zeiten für Bücher auswählen. Welche uns helfen. Wie sehr das Lesen von Romanen trösten kann. Ja, es ging damals um persönliche Krisen, nicht um die ganz Großen der Menschheit wie Krieg und Pandemie.

Jemand erwähnte in diesem Thread das „Traumbuch“ von Nina George. Die Beschreibung hat mich sofort angesprochen, ich habe das Buch also aus einer Wiener Bücherei entlehnt. (Wie fast meine gesamte Buch-Lektüre. Aber das ist einen anderen Blogpost wert.)

Und ja, dieses Buch hat immer noch eine besondere Bedeutung für mich. Es geht darin um einen Mann im Koma, ja. Es ist kein „Happy-Peppy“-Buch. Gar nicht. Aber es ist so echt, so emotional, es hat so viele gewaltige Bilder, dass ich diese heute noch im Kopf sehe.

Dieser Roman hat irgendwas in mir ausgelöst wie wenige Bücher. Ich glaube, man könnte das Resonanz nennen. Mein schmerzgeplagter Geist und Körper gingen mit Nina Georges Erzählung in Resonanz.

Und obwohl es ein tragisches Buch ist, da brauchen wir nix rumzudeuteln, lässt es einen Hoffnungsstrahl. Das war mein Andockpunkt vermutlich.

Nach zehn Monaten hat mir dann doch etwas geholfen gegen die Schmerzen, sie wurden nach und nach weniger, seltener – ganz weg gingen sie nie. Immer noch habe ich so einige Tage im Moment ziemlich starke Schmerzen. Aber ich kann schlafen, ich kann tun, was ich tun will.

Und irgendwie war Nina Georges Roman ein Hoffnungsschimmer in meiner persönlichen Krise.

Daran denke ich öfter, seit ich immer wieder höre, dass Menschen, die immer gern gelesen haben, es jetzt nicht mehr können. Keine Konzentration, keinen Kopf dafür, zu müde, kein Buch passt.

Ich glaube, in Krisen wie mit dem Virus oder dem Ukraine-Krieg brauchen wir andere Lektüre. So wie ich vor Jahren persönlich was Anderes lesen wollte, brauchen heute viele von uns etwas Anderes – sei es, dass wir jetzt einen Roman brauchen, der uns ablenkt von den Tragödien, in denen wir uns hilflos fühlen können. Sei es, dass wir ein anderes Genre lesen wollen. Wenn die Welt tragisch ist, kann es aber auch sein, dass die „Happy-Peppy“-Romane zu harmlos wirken. Zu absurd. So wie eine mit Liebeskummer keine fröhlichen Paare sehen will, so könnte in einer Zeit voller Gewalt auch ein zu seichtes Buch unpassend erscheinen.

Was meinst du?

Was liest du aktuell?

Hier noch ein Link zum „Traumbuch“ von Nina George.

 

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Anni Bürkl

 

admin

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