Texte und Tee – Anni Bürkl

Autorin – Lektorin – Schreibtrainerin

Erwartungsdruck?

Erwartungsdruck ist das Thema an diesem #Autor_innensonntag (Justine Pust auf Twitter).

Hm, Erwartungsdruck, ja, den kenne ich. Da gibt es einiges: den Druck nach einem/va. dem ersten veröffentlichten Buch (Roman), ein gleichwertiges nachzulegen oder sogar ein noch interessanteres. Der kommt von Lesenden ebenso wie von Büchermachenden und am meisten von mir selbst – wer kennt es nicht?

Dann gibt es jene Erwartungen, die man nicht erfüllt oder nicht mehr erfüllen mag: Wieder im selben Genre einen Roman zu schreiben. Bloß nicht viel anders machen als bei jenen Veröffentlichungen, die erfolgreich liefen. Das bemerke ich zB. bei den Wien-Krimis, die später als die Teekrimis im Salzkammergut begannen. Offenbar schätzen ganz schön viele Menschen Spannungsliteratur an idyllischen Orten, an denen in der Realität so gut wie kein Verbrechen geschieht, schon gar kein Mord. Ich habe mit meinen Büchern um Berenike als Ermittlerin sozusagen das Ausseerland entvölkert, zum Glück nur auf gedruckten Seiten. 😉

Und last not least sind da jene Erwartungen, die man spürt – denen man aber nicht nachkommen mag. Die Wünsche oder Träume der Familie, was aus dem Kind mal werden soll. Soll uns Enkerln bescheren oder ein solides Beamtenleben führen oder oder oder. Vielleicht auch insgeheim jene eigenen Träume leben, die man selbst nicht wahrgemacht hat.

Wie man mit Erwartungen umgeht?

Beim Schreiben am besten ignorieren – aber das ist 100x leichter dahin gesagt (geschrieben) als getan. Denn die besten Geschichten erzählen sich, weil die Autorin sie erzählen will – nicht weil jemand gesagt hat „schreib doch auch so was wie Bestseller XY“ (Patty Horror statt Harry Potter, ob ich doch noch mal soll …?). Mit dem Verkauf kann es jedoch schwieriger sein, wenn eine Autorin/ein Autor seine bekannten Schienen verlassen will.

admin • 4. April 2021


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